Unikates Nationaltrikot der tschechoslowakischen Fußballlegende Paul Mahrer aus dem Jahr 1924 an Deutsches Fußballmuseum in Dortmund ausgeliehen!
28.09.2026 / 13:19 | Aktualizováno: 28.09.2026 / 13:44
Generalkonsulin Kristina Larischová besuchte das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund anlässlich der Leihgabe des Nationaltrikots des tschechoslowakischen Fußballspielers jüdischer Herkunft Paul (Pavel) Mahrer aus dem Jahr 1924. Das Deutsche Fußballmuseum gehört mit 300 000 Besuchern im Jahr zu den publikumsstärksten Museen in NRW.
Dank der Zusammenarbeit zwischen Historiker Thomas Oellermann aus Prag und dem Historiker Dr. Henry Wahlig vom Deutschen Fußballmuseum hat nun das Fußballmuseum die Möglichkeit, das mehr als 100 Jahre alte Trikot aus den Sammlungen des Nationalmuseums Prag auszustellen. Das Trikot wird in der Dauerausstellung des Museums zu sehen.
Das legendäre Trikot hat für den deutschen Fußball der 1920er und 1930er Jahre eine besondere Bedeutung. Der Deutsche Fußballclub Prag (DFC), für den Paul Mahrer damals spielte, ist untrennbar mit der Geschichte des deutschen Fußballs verbunden. Der DFC Prag gehörte seinerzeit zu den führenden Fußballvereinen und war maßgeblich an der Entstehung des organisierten Fußballs beteiligt. Der Prager Klub zählte zu den bedeutenden Gründungsmitgliedern des Deutschen Fußball Bundes (DFB). Der damalige Vertreter des DFC Prag, Ferdinand Hueppe, wurde im Jahr 1900 zum ersten Präsidenten des Verbandes gewählt. Der DFC Prag nahm sogar sehr erfolgreich an der ersten deutschen Fußballmeisterschaft im Jahr 1903 teil und unterlag leider erst im Finale dem VfB Leipzig (die einzigartig erhaltene Eintrittskarte kann man auf dem beigelegten Bild sehen).
Mahrers tschechoslowakische Nationaltrikot ist heute ein außergewöhnliches und sehr gut erhaltenes Fußball-Exponat, das die tschechoslowakische mit der deutschen Fußballgeschichte miteinander verbindet. Paul Mahrer (1900-1985) stammte aus dem damaligen böhmischen Teplitz (heute Teplice) und gehörte der deutschsprachigen jüdischen Gemeinschaft an. Mit dem Fußball begann er bereits in seiner Heimatstadt, den Grundstein für seine internationale Karriere legte jedoch sein Wechsel zum DFC Prag im Jahr 1923.
Der Stürmer Paul Mahrer gehörte zu den Spitzenfußballern seiner Zeit und war ein Liebling des Publikums. Mehrfach spielte er für die tschechoslowakische Nationalmannschaft. Der Höhepunkt seiner sportlichen Laufbahn war die Teilnahme mit der tschechoslowakischen Auswahl an den Olympischen Sommerspielen 1924 in Paris, bei denen er das heute ausgestellte historische Trikot trug.
Die Bedeutung dieses Trikots reicht jedoch weit über den sportlichen Bereich hinaus. Als Jude wurde Paul Mahrer nach der nationalsozialistischen Besetzung der Tschechoslowakei verfolgt. Nach seiner Inhaftierung wurde er am 9. Juni 1943 in das Ghetto Theresienstadt (Terezín) deportiert. Während seine Brüder dem Holocaust zum Opfer fielen, gelang es Mahrer, die harten Bedingungen des Ghettos zu überleben.
Auch unter den schwierigen Bedingungen in Theresienstadt spielte der Fußball eine wichtige Rolle in seinem Leben. Mahrer war dort sowohl als Spieler als auch als Trainer aktiv und beteiligte sich an den organisierten Fußballwettbewerben, die von der Lagerverwaltung zugelassen wurden.
Nach der Befreiung kehrte er zunächst nach Prag zurück. Im Jahr 1946 folgte er jedoch seiner Familie in die Vereinigten Staaten, wohin seine Ehefrau und die Kinder dank der Unterstützung des Internationalen Roten Kreuzes bereits vor Kriegsende hatten fliehen können. In den USA baute sich Mahrer ein neues Leben auf. Er verstarb dort im Jahr 1985. Seine Lebensgeschichte steht beispielhaft für das Schicksal vieler jüdischer Sportler des 20. Jahrhunderts, deren Karrieren durch Verfolgung, Vertreibung und Krieg unterbrochen oder zerstört wurden.
Die fußballerische Laufbahn Paul Mahrers ist Teil der Tradition des deutsch-jüdischen Sports in Böhmen und insbesondere in Prag. Die Präsentation des olympischen Trikots in der geplanten Ausstellung des Deutschen Fußballmuseums erinnert nicht nur an einen bedeutenden tschechoslowakischen Fußballer, sondern auch an die vielfältigen Verbindungen zwischen der deutschen, tschechischen und jüdischen Fußballgeschichte.
Es handelt sich um ein seltenes authentisches Artefakt, das Sportgeschichte auf eindrucksvolle Weise mit persönlichen Schicksalen, außergewöhnlicher Willenskraft und der Fähigkeit verbindet, selbst schwerste Lebensumstände zu überwinden.
Das Trikot, das die Familie Mahrer im Jahr 2024 dem Nationalmuseum in Prag als Dauerleihgabe freundlich überlassen hat, ist mehr als hundert Jahre alt und zeugt davon, dass jüdische Vereine und jüdische Fußballer ein fester Bestandteil der Fußballgeschichte waren. Die tragischen Schicksale jüdischer Sportler während des Nationalsozialismus, ihre Verfolgung, Misshandlung und Deportation in Konzentrationslager dürfen auch künftig nicht in Vergessenheit geraten.