Gemeinsame Erklärung anlässlich des 29. Jahrestags der Unterzeichnung der Deutsch-Tschechischen Erklärung
22.01.2026 / 09:33 | Aktualizováno: 22.01.2026 / 11:58
Gemeinsame Erklärung der Ko-Vorsitzenden des Beirats des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums, Rudolf Jindrák und Jörg Nürnberger, anlässlich des 29. Jahrestags der Unterzeichnung der Deutsch-Tschechischen Erklärung
Heute gedenken wir eines wichtigen Ereignisses in den deutsch-tschechischen Beziehungen, welches für beide Seiten einen entscheidenden qualitativen Sprung nach vorne bedeutete. Am 21. Januar 1997 wurde von den Regierungschefs Helmut Kohl und Václav Klaus nach langen Verhandlungen die Deutsch-Tschechische Erklärung unterzeichnet.
Vertreter beider Länder bewiesen mit diesem Schritt nicht nur den Willen, die historisch bedingten Streitigkeiten zu überwinden, sondern auch die Beziehungen auf eine partnerschaftliche und zukunftsorientierte Zusammenarbeit auszurichten. Wie wichtig dieser Schritt war, zeigt sich gerade heute, wo sich die einstigen Hoffnungen, dass die Zeit und die Erreichung demokratischer Verhältnisse alte Wunden heilen werden, als Illusionen entpuppt haben.
Die heutige Welt zeichnet sich durch eine wachsende Gereiztheit aus. Die Menschen erleben wohl zu viele Konflikte gleichzeitig. Das gilt nicht nur für Europa, sondern auch für andere Teile der Welt. Mit Bedauern ist festzustellen, dass sich unter den Streitthemen wieder alte historische Zwistigkeiten finden. Dies geschieht zumal in unserer direkten Nachbarschaft, wo die sogenannten Beneš-Dekrete und ihre unterschiedliche Einordnung beiderseits der Grenze die ungarisch-slowakischen Beziehungen erneut zu belasten.
Das finden wir als Vorsitzende des Beirats des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums sehr bedauerlich. Denn der inzwischen fast schon drei Jahrzehnte anhaltende Prozess der deutsch-
tschechischen Verständigung beweist, dass die aus der Vergangenheit herrührenden Probleme unsere Gesellschaften nicht auf ewige Zeit traumatisieren und polarisieren müssen.
Dieser Prozess zeigt, dass man die Geschichte zwar nicht ungeschehen machen kann, dass man jedoch neue Grundlagen schaffen kann, auf deren Basis ein neues Kapitel aufgeschlagen und die gemeinsame Vergangenheit eher als eine gemeinsame Warnung für die Zukunft betrachtet wird.
Diese Entwicklung geschah aber nicht von sich aus. Dazu war es notwendig, dass sich beide Seiten einen Neuanfang in den beiderseitigen Beziehungen nicht nur erhofft haben, sondern dass sie auch aktiv und mit gutem Willen darauf hingearbeitet haben. Am Anfang dieser Arbeit stand die Durchführung einer wesentlichen, vertrauensbildenden Maßnahme: die Verabschiedung der Deutsch-Tschechischen Erklärung. Seitdem haben sich unsere Bürger beiderseits der Grenze daran gemacht, unsere Beziehungen auf die Zukunft auszurichten, ohne dabei die gemeinsame Geschichte zu vergessen. Dank dieser Arbeit, bei der auch der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds mit seiner transparenten Projektarbeit kräftig mitgeholfen hat, sind wir heute, Deutsche und Tschechen, nicht nur gute Nachbarn, sondern auch aktive Partner in NATO und EU und Verfechter gemeinsamer Werte.
Die verschiedenen Wahrnehmungen der Beneš-Dekrete mögen fortbestehen, gehören aber als Thema eindeutig in die Vergangenheit.
Pressemitteilung des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums vom 21. Februar 2026

